{"id":4166,"date":"2024-06-24T12:00:21","date_gmt":"2024-06-24T10:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/rainmakersociety.de\/?p=3821"},"modified":"2024-11-20T10:30:15","modified_gmt":"2024-11-20T09:30:15","slug":"science-meets-business-vom-labor-zum-produkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rainmakersociety.de\/de\/science-meets-business-vom-labor-zum-produkt\/","title":{"rendered":"Science meets Business: Vom Labor zum Produkt"},"content":{"rendered":"<p>Von der Idee bis zum fertigen Produkt oder zur finalen Dienstleistung ist es ein weiter Weg. Das gilt besonders f\u00fcr den wissenschaftlichen Bereich. Was in einem Labor begann, braucht noch viele weitere Schritte, um auf den Markt gebracht zu werden. Einer, der den Produktweg begleitet, ist Christian B\u00f6hm. Wir sprachen mit ihm \u00fcber die Herausforderungen und seine Leidenschaft, aus Wissenschaft ein Gesch\u00e4ft zu machen. <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/chjboehm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><u>Christian B\u00f6hm<\/u><\/a> ist ein vielseitiger Generalist mit \u00fcber zwei Jahrzehnten Erfahrung im Schnittpunkt von Wissenschaft und Wirtschaft. Er hat sich darauf spezialisiert, wissenschaftliche Innovationen in tragf\u00e4hige Gesch\u00e4ftsmodelle umzusetzen und erfolgreiche DeepTech-Unternehmen aufzubauen. Mit seinem wissenschaftlichen Hintergrund als promovierter biophysikalischer Chemiker und Forschungsstipendien an der Harvard University und der Max-Planck-Gesellschaft, kann er komplexe Technologien in Gesch\u00e4ftsstrategien \u00fcbersetzen, die Investoren verstehen. Diese vielf\u00e4ltige Erfahrung ist die Grundlage f\u00fcr seine Arbeit bei <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/valorwerk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><u>valorwerk<\/u><\/a>, wo er Wissenschaft und Gesch\u00e4ft verbindet und Kunden im DeepTech-Bereich zum Erfolg f\u00fchrt.<\/p>\r\n<p><b><i>Du kommst aus dem wissenschaftlichen Bereich, bist promovierter Naturwissenschaftler, hast in Harvard geforscht. Wie kamst Du in die Beratung?<\/i><\/b><\/p>\r\n<p>Mein absolutes Lieblingsthema ist es, aus Wissenschaft Business zu machen. Aber das war zu Beginn meiner Karriere nicht mein Plan. Erst als ich in Harvard war, habe ich diesen Bereich kennen gelernt. Mein Betreuer dort hatte zwei Jahre zuvor ein Startup gegr\u00fcndet. Er wollte eine von ihm entwickelte Technologie im Medizinbereich voranbringen. Der Arbeitskreis war also auf die Anwendung der Technologie fokussiert. Das war ein ganz neuer Ansatz f\u00fcr mich als Forscher \u2013 und mein erster Einblick in die Startup-Welt.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><\/p>\r\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/images.unsplash.com\/photo-1572884267966-02340ebc90ac?q=80&amp;w=2940&amp;auto=format&amp;fit=crop&amp;ixlib=rb-4.0.3&amp;ixid=M3wxMjA3fDB8MHxwaG90by1wYWdlfHx8fGVufDB8fHx8fA%3D%3D\" rel=\"noreferrer noopener\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.unsplash.com\/photo-1572884267966-02340ebc90ac?q=80&amp;w=2940&amp;auto=format&amp;fit=crop&amp;ixlib=rb-4.0.3&amp;ixid=M3wxMjA3fDB8MHxwaG90by1wYWdlfHx8fGVufDB8fHx8fA%3D%3D\" alt=\"Drei Menschen, die vor einem Tisch sitzen und zusammen lachen\" \/> <\/a>\r\n<figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/@yassine_khalfalli?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash\">Yassine Khalfalli<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\">Unsplash<\/a><\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n<p><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><b><i>Wie kamst Du dann von der Forschung in die Beratert\u00e4tigkeit?<\/i><\/b><\/p>\r\n<p>Die Themen Produkt und Anwendung haben mich danach nicht mehr losgelassen, weshalb ich direkt in eine Beratert\u00e4tigkeit im Bereich Innovation Chemie und Biologie gegangen bin. Hier habe ich in sehr kurzer Zeit sehr viel gelernt. Ich bin dann auf der Business-Seite geblieben und habe mich auf die Produktentwicklung spezialisiert. Mein Ziel ist die Produktentwicklung mit Innovation und wie Business organisiert werden kann. <b><i>Du bist jetzt sehr viel im Startup-Umfeld t\u00e4tig.\u00a0<\/i><\/b> Genau. 2018 kam der Sprung in diese Welt \u2013 und seitdem bin ich ihr treu geblieben. Zuerst direkt in einem Startup, und danach in der eigenst\u00e4ndigen Beratung. Ich unterst\u00fctze Startups und Investoren bei der Produktentwicklung. Viele neue wissenschaftliche Errungenschaften klingen gut \u2013 aber wie k\u00f6nnen sie umgesetzt werden? Aktuell bin ich besonders in den Thematiken Batterieforschung und Alternative Meat t\u00e4tig.<\/p>\r\n<p><b><i>Was sind die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr Startups und Investoren?<\/i><\/b><\/p>\r\n<p>Sehr viele Startups scheitern nicht an der Idee, sondern an der Umsetzung. Die Technologie selbst hat keinen Wert \u2013 der entscheidet sich erst durch das Problem der Kunden, das die Innovation l\u00f6st. Ein Produkt, das vermarktbar ist, braucht viel mehr als die Technologie.<\/p>\r\n<ul>\r\n<li aria-level=\"1\">Es muss in gr\u00f6\u00dferen Mengen produzierbar sein.<\/li>\r\n<li aria-level=\"1\">Es muss wirtschaftlich herstellbar sein.<\/li>\r\n<li aria-level=\"1\">Die Anforderung an Qualit\u00e4t, Reproduzierbarkeit und Bewusstsein m\u00fcssen da sein.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p>Gerade die Reproduzierbarkeit muss gegeben sein. Die Anforderungen, die im Labor herrschen und in der realen Welt gegeben sind, sind sehr unterschiedlich. Deshalb differenziere ich immer zwischen der Technologie und einem guten Produkt, das ein Problem l\u00f6st. Was au\u00dferdem nicht vergessen werden darf: So gut wie eine Idee auch ist, passt sie denn in den bisherigen Workflow und Ablauf in der Herstellung? Diese Fallstricke kannst du nur l\u00f6sen, wenn du eine gute Schnittstelle zwischen Business und Science hast. Es braucht die geschlossene Linie zwischen Wissenschaft, Technologie, Produkt und dem Investor.\u00a0Mein Mantra bei der Produktentwicklung lautet: Welches Problem l\u00f6sen wir mit dem neuen Feature? Denn das ist letztendlich entscheidend f\u00fcr den Kunden. Dieser Wert steht im v\u00f6lligen Kontrast zum Feld der Wissenschaft. Dort will man verstehen \u2013 aber Technologie ist nicht gleich Produkt. Investoren und Wissenschaftler sind jeweils in ihrer Blase \u2013 sie brauchen jemanden, der die gro\u00dfe Blackbox l\u00f6st. <b><i>Was sind die gr\u00f6\u00dften Risiken?<\/i><\/b> Erfolgreiche Produktentwicklung braucht auch das Problem. Man muss den Schritt zur\u00fcck gehen zum Kunden. Das gro\u00dfe Risiko ist, dass die Technologie nur in der Entwicklung steckt. Oder dass noch ein Element fehlt, um eine Marktreife zu erhalten. Ich kann hier auf mein gro\u00dfes Netzwerk zur\u00fcckgreifen, um die passenden Verbindungen herzustellen.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><\/p>\r\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/images.unsplash.com\/photo-1590103514966-5e2a11c13e21?q=80&amp;w=2940&amp;auto=format&amp;fit=crop&amp;ixlib=rb-4.0.3&amp;ixid=M3wxMjA3fDB8MHxwaG90by1wYWdlfHx8fGVufDB8fHx8fA%3D%3D\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.unsplash.com\/photo-1590103514966-5e2a11c13e21?q=80&amp;w=2940&amp;auto=format&amp;fit=crop&amp;ixlib=rb-4.0.3&amp;ixid=M3wxMjA3fDB8MHxwaG90by1wYWdlfHx8fGVufDB8fHx8fA%3D%3D\" alt=\"Drei Menschen, die vor einem Tisch sitzen und zusammen lachen\" \/> <\/a>\r\n<figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/@slidebean?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash&quot;&gt;Slidebean&amp;lt\">Slidebean<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\">Unsplash<\/a><\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n<p><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><b><i>Wie bringst Du Wissenschaftler und Investoren zusammen?<\/i><\/b><\/p>\r\n<p>Ich versuche, das Sprachproblem mit Zahlen zu l\u00f6sen, einem zahlenbasierten Kommunikationsmodell sozusagen. Alles kann quantifiziert werden. Das kann z.B. so aussehen: \u201aIhr sagt, ihr k\u00f6nnt mit der Technologie Parameter x verzehnfachen. Damit k\u00f6nnen wir ein Produkt produzieren, das 5x schneller ist und 3x weniger Kosten f\u00fcr den Kunden hat.\u2018 Die Wissenschaftler wissen, was sie umsetzen sollen, die Investoren wissen, was sie erwarten k\u00f6nnen.\u00a0Das Ziel muss immer sein, mit m\u00f6glichst wenig Investment den gr\u00f6\u00dften Mehrwert zu entwickeln. Es muss beantwortet werden, wie das minimale wirtschaftlich profitable Produkt aussehen kann. Es gibt oft sehr viele Details, die optimiert werden k\u00f6nnen. Sp\u00e4ter k\u00f6nnen diese Features ausgebaut werden.<\/p>\r\n<p><b><i>Woran scheitert die Umsetzung von Innovationen am h\u00e4ufigsten?<\/i><\/b><\/p>\r\n<p>Am h\u00e4ufigsten scheitert es daran, dass das Produkt vorab nicht gut genug definiert wurde \u2013 und dass der Kundenwunsch nicht erf\u00fcllt wird. Wer da mit Marktverst\u00e4ndnis auf den Businessplan schaut, sieht das auch sofort. Aber auch wenn das Produkt gut definiert ist und die Forschung vorankommt, ist es manchmal mit extremem Risiko verbunden, Produktanforderungen zu erf\u00fcllen. Investoren werden ungeduldig und die Wissenschaft kommt nicht im geplanten Tempo weiter. So scheitern Startups, obwohl schon viel Geld investiert wurde. Das ist der absolute Worst Case f\u00fcr jedes Projekt. Deshalb ist es wichtig, sich vorab zu fragen: Woran k\u00f6nnte es scheitern? Und wie k\u00f6nnen wir das im Fall des Falles auffangen?<\/p>\r\n<p><b><i>Was ist Dein Tipp f\u00fcr den Weg von der Wissenschaft zum Produkt?<\/i><\/b><\/p>\r\n<p>Hier steckt ganz viel in der Emotion. Es braucht nat\u00fcrlich Mut, um ein Startup zu gr\u00fcnden. Du musst Feuer und Flamme sein f\u00fcr deine Idee. Wenn da keine Emotion ist, wird das Projekt scheitern. Aber die Emotion ist wiederum auch hinderlich. Man sieht Dinge gerne mal positiver, als sie wirklich sind. Am Ende des Weges, wo die Vermarktung steht, baust du die Emotion wieder auf. Das ist auch notwendig im Vertrieb. Aber zu Beginn sind es schlicht Naturgesetze \u2013 du kannst Fakten nicht sch\u00f6n reden. Deshalb ist die zahlenbasierte Sprache wieder sehr gut. Zahlen sind emotionslos. Es geht nicht um die Bewertung: Schlecht oder nicht schlecht. Sondern darum, ob eine Idee umsetzbar ist oder nicht. Ein Schritt zum Startup ist oftmals ein gro\u00dfes Investment und ein gro\u00dfes Risiko. Die Kunst ist, weg vom Technologie-Fokus zu kommen hin zum Produktfokus.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von der Idee bis zum fertigen Produkt oder zur finalen Dienstleistung ist es ein weiter Weg. Das gilt besonders f\u00fcr den wissenschaftlichen Bereich. Was in einem Labor begann, braucht noch viele weitere Schritte, um auf den Markt gebracht zu werden. Einer, der den Produktweg begleitet, ist Christian B\u00f6hm. 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