1000 Wege in die Selbstständigkeit – zwischen Freiheit und Realität

Selbstständig arbeiten – für viele war das lange ein Ideal: mehr Freiheit, hohe Flexibilität und ein erfüllteres Arbeitsleben. Doch der Blick auf den aktuellen Arbeitsmarkt zeigt ein anderes Bild. Immer weniger Menschen in Deutschland wählen den Weg in die Selbstständigkeit. Laut KfW-Gründungsmonitor würden heute nur noch 24 Prozent der 18- bis 67-Jährigen lieber selbstständig als angestellt arbeiten. Vor zwanzig Jahren waren es doppelt so viele.

Und das Statistische Bundesamt bestätigt: Seit über zwölf Jahren sinkt die Zahl der Selbstständigen kontinuierlich. Trotzdem: Es gibt sie – die 1000 Wege, selbstständig zu sein. Vom Interim-Manager bis zur Solopreneurin, vom Projektberater bis zum Sidepreneur. Und auch wenn der Markt aktuell herausfordernd ist, bleibt Selbstständigkeit für viele ein Modell der Zukunft. Wir von der Rainmaker Society begleiten seit Jahren Selbstständige und Unternehmen durch Phasen der Transformation – und CEO Dirk bringt es auf den Punkt:

 

„Die Herausforderungen sind real – aber die Möglichkeiten auch. Ich bin ehrlicherweise hin- und hergerissen, ob ich die aktuelle Marktlage für diesen Schritt als gut oder schlecht einordne.“ Dirk Schuran

 

Freiheit, Wirkung, Selbstbestimmung – was Selbstständigkeit möglich macht

Gerade hochqualifizierte Fachkräfte entscheiden sich heute bewusst gegen die Festanstellung. Warum? Sie wollen mitgestalten, direkt wirken, flexibel arbeiten. Für viele bedeutet das: raus aus starren Organisationsstrukturen, rein in projektbasierte Arbeit mit Eigenverantwortung. Selbstständigkeit bietet die Chance, die eigene Arbeitszeit und das Einkommen eigenverantwortlich zu gestalten – mit allen Risiken, aber auch mit viel Gestaltungsspielraum. Das Modell ist längst nicht mehr auf die klassischen „Ich-mache-mich-selbstständig“-Gründungen beschränkt. Vielmehr entstehen neue, agile Formen: Solopreneure, hybride Modelle, digitale Freiberufler mit klarem Leistungsfokus.

Realität-Check: Der Markt für Selbstständige ist anspruchsvoll

Doch es wäre naiv, wenn man über die  Chancen spricht. Wer sich 2025/2026 selbstständig macht oder es bereits ist, muss sich mit einer Reihe echter Herausforderungen auseinandersetzen. Im Freiberufler-Markt Deutschland zeigt sich aktuell eine deutliche Abkühlung: Weniger Projektanfragen, höhere Anforderungen an Spezialisierung, härterer Wettbewerb, politischer Gegenwind – bei gleichzeitig steigenden Lebenshaltungskosten.

 

„Der Markt ist schwierig – aber das war er nicht zum ersten Mal. Skills und Netzwerk zählen jetzt mehr denn je.“ Dirk Schuran

 

Hinzu kommt: Selbstständige gelten in der Kalkulation oft als teuer. Doch der Blick aufs Honorar greift zu kurz – denn sie tragen ihre gesamte soziale Absicherung selbst, von Krankenversicherung über Altersvorsorge bis zur Absicherung von Ausfallzeiten. Und genau hier wird es schwierig.

 

Selbstständigkeit braucht Netzwerk
Foto von Jonas Leupe auf Unsplash

Absichern, aber wie? Die Systemfrage bleibt ungelöst

Während Angestellte in einem klar geregelten System aus Sozialversicherung und betrieblicher Altersvorsorge unterwegs sind, bleiben viele Selbstständige mit ihren Fragen allein. Die gesetzliche Krankenversicherung zum Beispiel funktioniert für freiwillig Versicherte oft nachteiliger: Sie zahlen auf sämtliche Einkommensarten – auch auf private Altersvorsorge oder Kapitalerträge. Die Debatte um Scheinselbstständigkeit sorgt zusätzlich für Unsicherheit – besonders bei Solo-Freelancern. Niemand möchte in eine Grauzone geraten, aber klare, praxistaugliche Regeln sucht man vielerorts vergebens.

Was fehlt, ist nicht der Wille zur Selbstverantwortung – sondern ein System, das die Realität freier Arbeit auch rechtlich und strukturell mitträgt. Wichtig: Es geht nicht darum, politisch zu klagen. Sondern darum, dass moderne Formen der Arbeit auch moderne Rahmenbedingungen brauchen und erhalten.

Ohne Netzwerk wird’s eng

In einem angespannten Markt ist das persönliche Netzwerk oft wichtiger als jede Job-Plattform. Wer sichtbar bleibt, ansprechbar ist und regelmäßig mit potenziellen Auftraggebern im Gespräch bleibt, hat deutliche Vorteile – auch gegenüber preisgünstigerer Konkurrenz. Netzwerke wie die Rainmaker Society bieten genau diesen Raum: Sie verbinden Freiberufler, Interim-Manager und selbständige Projektprofis mit Unternehmen, die ihre Expertise suchen. Sie bieten nicht nur Zugang zu Aufträgen, sondern auch ein Umfeld für fachlichen Austausch, Positionierung und berufliches Sparring. Gerade jetzt zählt das mehr denn je.

Neue Selbstständigkeit: vielfältig, individuell, flexibel

Selbstständigkeit heute ist kein statisches Modell mehr. Sie verändert sich – und das ist gut so. Viele arbeiten hybrid: angestellt in Teilzeit, selbstständig im Nebenprojekt. Andere starten bewusst „klein“, als Freelancer im Projektkontext, und entwickeln sich Schritt für Schritt weiter. Besonders spannend: Für viele Eltern mit “Kinderpflichten” kann Selbstständigkeit eine echte Antwort auf strukturelle Arbeitsmarktprobleme sein. Denn sie erlaubt zeitliche Flexibilität, ohne auf Einkommen oder Entwicklung zu verzichten – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Selbstständigkeit ist nicht immer der einfache Weg. Aber sie belohnt unternehmerisches Denken, Anpassungsfähigkeit und klare Positionierung – gerade in einem Umfeld, das sich schneller verändert als jede Organisation es abbilden kann.

Selbstständigkeit ist nicht gleich Selbstständigkeit

Die Welt der Selbstständigkeit ist vielfältiger denn je. Es gibt längst nicht mehr das eine Modell, sondern viele Wege – abhängig von Branche, Lebensphase und individueller Zielsetzung.

Die Begriffe beschreiben überlappende Gruppen, die sich oft nicht trennscharf definieren lassen, sondern sich eher durch Schwerpunkte, Arbeitsweisen und Selbstverständnis unterscheiden. Sie sind Chance und Herausforderung zugleich. Sie zeigen, dass Selbstständigkeit heute kein festes Berufsbild mehr ist, sondern ein individuelles Arbeitsmodell, das zur eigenen Lebensrealität passen muss – nicht umgekehrt.

Solo-Selbstständige arbeiten eigenverantwortlich, oft ohne Team, häufig in beratenden oder kreativen Berufen – von Designer:innen über Coaches bis hin zu Strategieberater:innen. Sie sind flexibel, schlank aufgestellt und meist hochspezialisiert.

Interim-Manager springen in Unternehmen ein, wenn es schnell gehen muss – etwa bei Transformationsprozessen, Führungswechseln oder Krisen. Sie kombinieren Erfahrung mit unternehmerischem Denken und arbeiten zeitlich befristet auf Top-Level.

Freiberufler agieren projektbezogen, häufig für mehrere Auftraggeber gleichzeitig – etwa in IT, Marketing, HR oder Projektmanagement. Sie bringen punktuelle Expertise und Geschwindigkeit in Unternehmen, die temporäre Ressourcen brauchen.

Sidepreneure bauen sich neben ihrer Festanstellung ein eigenes Business auf – oft aus einer Leidenschaft heraus oder als Testlauf für den vollen Schritt in die Selbstständigkeit.

Hybride Selbstständige verbinden verschiedene Modelle: Teilzeit-Anstellung kombiniert mit freier Projektarbeit, Beratung neben einem eigenen Produkt oder parallel laufende Tätigkeiten in mehreren Rollen.

Neue Selbstständige – häufig in digitalen Wissensberufen – nutzen Plattformen, Communities und Tools, um sich zu positionieren, Aufträge zu generieren und sich weiterzuentwickeln. Sie sind vernetzt, standortunabhängig und skalierbar aufgestellt. Wer heute selbstständig ist, weiß: Es braucht mehr als einen guten Lebenslauf. Es braucht Eigenverantwortung und die Bereitschaft, sich selbst immer wieder neu zu erfinden. Wer all das mitbringt, hat auch in Zukunft noch viele Wege offen – vielleicht sogar 1000.

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Über Dirk Schuran: Dirk Schuran ist Ex-CSO von Comatch, mehrfacher Gründer und Business Angel. Er hat über 30 Stationen im Lebenslauf – von der politischen Arbeit über die Medienindustrie bis zu Leadership-Rollen im StartUp. Als Vater, Ex-Marathonläufer und Netzwerker bringt er Perspektive, Klarheit und Energie in die moderne Karriereberatung. Seine Mission: Talente zu stärken, nicht zu verbiegen.  

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