Ein Job in einem Private-Equity-Portfoliounternehmen kann attraktiv klingen: Mehr Verantwortung, klare Ziele, kurze Entscheidungswege und die Möglichkeit, ein Unternehmen in einer wichtigen Entwicklungsphase mitzugestalten. Und auch ein klarer Upside durch eine enge Partizipation an der Entwicklung des Firmenwertes. Gleichzeitig ist das Umfeld nicht für jede Führungskraft die richtige Wahl.
Denn mit einem neuen Eigentümer verändert sich nicht nur die Kapitalstruktur. Private-Equity-Investoren arbeiten häufig mit konkreten Plänen zur Wertsteigerung und begleiten deren Umsetzung aktiv gemeinsam mit Management und Beirat.
Was bedeutet das für den Arbeitsalltag – und für wen kann eine Karriere im PE-Umfeld besonders gut passen?
Ergebnisse stehen stärker im Mittelpunkt
In vielen Unternehmen lässt sich Erfolg über Verantwortungsbereiche beschreiben: Team geführt, Region verantwortet, Budget gesteuert. In einem PE-geprägten Umfeld tritt stärker die Frage in den Vordergrund, was sich durch diese Verantwortung konkret verändert hat.
Das liegt in der Logik des Investments. Der Investor verfolgt bestimmte Entwicklungsziele für das Unternehmen – etwa Wachstum, höhere Profitabilität, Internationalisierung oder operative Verbesserungen. Häufig werden diese Ziele in einem konkreten Value-Creation-Plan gebündelt, der gemeinsam mit dem Management umgesetzt wird.
Wer gerne mit klaren Zielen arbeitet und die eigene Leistung an konkreten Ergebnissen messen möchte, kann das als motivierend empfinden. Wer dagegen vor allem Stabilität und langfristig unveränderte Verantwortungsbereiche sucht, wird sich schwerer tun.
Veränderung ist Teil der Rolle
Ein Investor beteiligt sich nicht an einem Unternehmen, damit anschließend alles exakt so weiterläuft wie bisher. Die Veränderungen können allerdings sehr unterschiedlich aussehen: Ein Unternehmen expandiert international, integriert Zukäufe, professionalisiert seine Finanzorganisation oder baut neue Vertriebsstrukturen auf. Und oft werden auch Teile des Managements ausgestauscht. Es werden Chancen lokalisiert und Risiken identifiziert.
Entsprechend können im PE-Umfeld sehr unterschiedliche Führungskompetenzen gefragt sein – von Finance und Operations bis hin zu Sales, Transformation oder Leadership. Für Kandidaten ist deshalb eine Frage besonders wichtig: Welche Veränderung soll diese konkrete Position eigentlich ermöglichen? Der Titel allein sagt darüber oft wenig aus: “Welche konkreten Herausforderungen soll ich kurz- bis mittelfristig lösen?”
Investor und Beirat werden zu wichtigen Stakeholdern
Gerade auf dem C-Level kommt eine zusätzliche Ebene hinzu, die für manche Führungskräfte neu ist. Neben Mitarbeitern, Kunden und Geschäftsführung spielen Eigentümer und Beirat eine deutlich präsentere Rolle.
Wie eng diese Zusammenarbeit ist, unterscheidet sich von Investor zu Investor. Deshalb lohnt sich vor einem Wechsel nicht nur die Frage, wer der Investor ist, sondern vor allem, wie er mit dem Management arbeitet: Wie häufig findet der Austausch statt? Welche Entscheidungen werden gemeinsam getroffen? Wie wird Erfolg gemessen? Und wie viel Handlungsspielraum bleibt tatsächlich beim Management? Ganz entscheidend: Teilt man die gleichen Zielerwartungen?
Weniger Struktur kann mehr Eigenverantwortung bedeuten
Besonders deutlich kann der Unterschied für Führungskräfte werden, die aus großen Konzernen in kleinere Portfoliounternehmen wechseln. Dort stehen möglicherweise nicht für jedes Thema eigene Fachabteilungen, umfangreiche Zentralfunktionen oder lange etablierte Prozesse bereit. Eine Führungsrolle kann dadurch operativer werden: Probleme müssen schneller selbst gelöst, Strukturen aufgebaut und Entscheidungen mit weniger Unterstützung getroffen werden.
Das ist weder besser noch schlechter. Es erfordert schlicht eine andere Arbeitsweise. Wer über einen Wechsel vom Konzern in den Mittelstand nachdenkt, sollte deshalb nicht nur Titel und Verantwortungsumfang vergleichen, sondern auch prüfen, unter welchen Bedingungen er bisher besonders gut gearbeitet hat. Und ist “operatives Händeschmutzigmachen” wirklich noch gewollt?
Die wichtigsten Fragen vor der Zusage
Das Merkmal„PE-backed“ sagt zunächst wenig über die tatsächliche Arbeitskultur aus. Die Investorenphilosophie unterscheidet sich in der Sichtweise zu Strategie, Haltedauer, Zusammenarbeit mit dem Management und darin, wie aktiv sie die Entwicklung der Beteiligungen begleiten.
Deshalb sollte vor einem Wechsel nicht nur das Unternehmen betrachtet werden. Mindestens ebenso relevant ist die konkrete Investmentthese: Warum wurde dieses Unternehmen gekauft und was soll sich bis zum Exit verändern? Und gibt es vielleicht Erfahrungswerte in der Zusammenarbeit mit dem Investor im eigenen Netzwerk?
Daraus ergeben sich weitere Fragen. Welche Rolle spielt die neue Führungskraft bei diesem Plan? Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? Wie werden Entscheidungen zwischen Management, Beirat und Investor getroffen? Was gilt nach zwölf Monaten als Erfolg – und wo liegen aktuell die größten Probleme?
Auch die Vorgeschichte kann viel verraten. Warum ist die Position vakant? Hat sich die Strategie verändert? Welche Maßnahmen wurden bereits begonnen und woran sind frühere Ansätze möglicherweise gescheitert?
Damit wird aus dem Bewerbungsgespräch auch eine Due Diligence in die andere Richtung. Nicht nur das Unternehmen prüft den Kandidaten – die Führungskraft sollte ebenso prüfen, ob Erwartung, Handlungsspielraum und Realität zusammenpassen.
Wie findet man passende Rollen im PE-Umfeld?
Viele interessante Positionen findet man nicht öffentlich ausgeschrieben. Gerade bei Rollen im Führungskräfte-Bereich spielen Kontakte zu Executive Search-Firmen, Empfehlungen von Branchen-Insidern und persönliche Netzwerke eine wichtige Rolle. Auch die Rainmaker Society bringt Führungskräfte aus dem eigenen Netzwerk mit Unternehmen und Investoren im PE- und VC-Umfeld zusammen. Wer grundsätzlich offen für einen Wechsel ist, kann sich deshalb frühzeitig positionieren – auch wenn gerade keine passende Vakanz öffentlich ausgeschrieben ist.
Eine klare Positionierung bei der Jobsuche hilft dabei: Welche Unternehmenssituationen kennst du? Was hast du bereits aufgebaut oder verändert? Und in welchem Umfeld möchtest du diese Erfahrung als Nächstes einsetzen?
Fazit: Nicht Private Equity muss zu dir passen - sondern das konkrete Unternehmen
Deshalb sollte die Entscheidung nicht davon abhängen, ob Private Equity grundsätzlich attraktiv klingt. Entscheidend ist, ob man mit den Zielen, dem Tempo, dem Handlungsspielraum und den Erwartungen des konkreten Unternehmens arbeiten möchte. Wer diese Fragen vor dem Wechsel klärt, entscheidet nicht nur über den nächsten Job – sondern darüber, unter welchen Bedingungen er oder sie die beste eigene Leistung bringen kann. Ein Aspekt kommt aber noch dazu: Oft beteiligen Investoren die relevanten Schlüsselspieler signifikant an der Wertentwicklung und am geplanten Exit. Das kann ein sehr attraktiver Upside bei der Bewertung sein…
Du interessierst dich für eine Führungsrolle im PE- oder VC-Umfeld? Die Rainmaker Society bringt Führungskräfte aus ihrem Netzwerk mit Unternehmen und Investoren zusammen. Mehr über unser Netzwerk und findest du auf unserer Website.