Auf einen Kaffee mit Dirk: Job-Titel als Statussymbol
Einerseits sollte der Job-Titel eine rein funktionale Beschreibung der aktuellen Tätigkeit sein. Der Titel beschreibt den verantworteten Bereich, aber auch die Seniorität bzw. das hierarchische Mandat der Rolle. Andererseits dient der Titel aber auch als Statussymbol.
Statussymbole schreiben einer Person etwas zu – so ist die Cartier-Uhr ein Zeichen von materiellem Erfolg, genauso wie ein Doktortitel uns “intellektuelle Würden” verleiht. Jeden Tag spielen wir mit diesen Symbolen und wissen schon aus der Schulzeit, dass uns die richtigen Sneaker cooler machen…
Der Umgang mit Symbolen ist eine Kunst, die wir erlernen müssen. Manche haben das Glück, hier schon einiges aus dem Elternhaus mitzubekommen, andere müssen sich hier einiges aus dem Berufsumfeld von Rollenvorbildern und Peers abschauen. Und wir müssen diese Statussymbole verstehen, wenn wir Karriere machen wollen…
Teure Autos und Uhren sind die platte Variante, aber auch Erzählungen über vergangene Urlaubsziele oder Hobbys können ein Statement sein (“Neulich beim Golfen in San Gual…” oder der Hinweis auf den letzten Segel-Törn in Kroatien…).
Bei meiner letzten Konzernstation bei Axel Springer ging es um die Frage, ob ich ein Eckbüro habe, wie viele Fenster das Büro hat und auch um die Frage, an wen man reportet… Wenn man hier den passenden Vorgesetzten aus dem Hut zaubern konnte, gab es regelrechte Wunder in der Positivität der folgenden Zusammenarbeit.
Aber natürlich verleiht der Job-Titel auch Macht – und hier gibt es ja verschiedene Blickwinkel bzw. gilt der Ausspruch: “Es gibt meine Sicht, Deine Sicht – und die Wahrheit.”. Als ich bei COMATCH war, merkte ich intern irgendwann an, dass ich in meinen Direct Reports sechs Directors habe und ich durchaus glaube, dass mein Titel “Director” einer Korrektur bedürfen würde. Dazu merkte damals einer der Gründer an, dass der Titel ja nicht wichtig sei, sondern dass wir als Organisation ja gar nicht so Status-getrieben wären. Er würde keine Notwendigkeit einer Anpassung sehen. In meiner charmant-eindringlichen Art blieb ich an dem Thema dran und wurde bald zum “Mitglied der Geschäftsleitung” ernannt.
Sehr schnell wurde mir von Kollegen zur neuen Geschäftsführungs-Rolle gratuliert – da habe ich festgestellt, dass in der Außenwirkung gar nicht so stark differenziert wird… Und wenn wir ehrlich sind: Natürlich macht ein seniorer Titel es, insbesondere im Kundenkontakt, manchmal leichter.
Ein anderer, kritischer Aspekt ist allerdings, dass heute nach kürzester Zeit bereits Titel den CV schmücken, die schlicht nicht angemessen sind. Hier ist Social Media ein Treiber von Oberflächlichkeit bzw. gilt “Mehr Schein als Sein” als positives Selbstvermarktungskonzept. Wir ernennen uns zu “Experten”, obwohl wir nicht mal die Basics des besetzten Feldes beherrschen…
Ich glaube, dass man sich Anerkennung erarbeiten muss, aber ein Titel auch eine Anerkennung der Organisation sein kann…
Was denkt Ihr zum Thema?
– Dirk