Auf einen Kaffee mit Dirk: Arbeiten im Hochleistungsteam
In einem kürzlichen Memo hat der Google-Gründer Sergey Brin eine markige Aussage getroffen: “60 Stunden pro Woche sind der Sweet Spot der Produktivität”.
Eigentlich hatte sich Brin aus dem laufenden Geschäft zurückgezogen, kehrt aber wieder stärker ins Management zurück, um die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Artificial Intelligence zu begleiten. Brin geht es wohl vor allem darum, dass Google als erstes Unternehmen eine echte Artificial General Intelligence (AGI) entwickelt und in diesem Bereich dann führend bleibt.
Vereinfacht gesagt meint AGI, dass die KI die auf Datenmassen beruhenden Stärken eines generativen Systems wie der Google-KI Gemini mit einem tiefen Verständnis für Konzepte und Ideen verbindet.
In diesem Licht habe ich mich ehrlicherweise gewundert, dass die (internen) Äußerungen von Brin etwas aus dem Zusammenhang gerissen werden. Im Focus wird das Thema direkt mit dem deutschen Arbeitsrecht in Zusammenhang gebracht. Die Redaktion fragt: Ist das eigentlich erlaubt!?
In dem Memo plädiert er zudem für eine Rückkehr ins Büro und damit eine Abkehr vom Homeoffice. Und er hebt hervor, dass eine kleine Zahl der AI-Developer nur das geforderte Minimum an Stunden ableistet, um das vertragliche nötige Pensum zu erreichen. Letztere seien laut seiner Einschätzung „nicht nur unproduktiv, sondern auch sehr demoralisierend für alle anderen“.
Bei der Recherche für den Artikel bin ich dann auf einen weiteren spannenden Artikel gestoßen. So gäbe es laut John P. Trougakos (Professor für Management an der Universität von Toronto) eine “abnehmende Rendite”, wenn zu viel gearbeitet wird. Zu viel Zeit am Arbeitsplatz kann laut seinen Forschungen auch zu einer Zunahme von Fehlern und einem Rückgang der Motivation führen.
Eine andere Expertin, Heidi Golledge, spricht in dem Artikel von “sprengbaren Bandbreiten”: Sofern wichtige Termine anstehen, sei es ähnlich wie dem Profisport – dann müsse mehr gearbeitet werden, um dann aber auch wieder ausreichend Erholungsphasen zu haben.
Die Zeitmanagement-Expertin Laura Vanderkam, Zeitmanagement-Expertin und Autorin von “Tranquility by Tuesday” hält bei intensiven Jobs eine Arbeitszeit zwischen 45 und 50 Stunden pro Woche für angemessen.
Ich glaube, dass das individuelle Leistungsniveau sehr unterschiedlich ist, als dass eine feste Zahl die richtige oder falsche ist. Was ich allerdings an der Diskussion spannend finde, und das schreibe ich sowohl als Unternehmer, aber auch als Vater: Das Memo von Brin wird sowohl international, aber noch mehr in den deutschen Medien mit einer negativen Tonalität besprochen. In meiner Wahrnehmung wird mehr darüber diskutiert, ob die Arbeitszeit immer weiter reduziert werden kann.
Brin schreibt: “Der Wettbewerb hat sich enorm beschleunigt, und das finale Rennen um AGI ist in vollem Gange. Wir haben alle Voraussetzungen, um dieses Rennen zu gewinnen, aber wir müssen unsere Bemühungen beschleunigen.”
Könnte es sein, dass man Weltklasse-Leistungen wie die, die Sergey Brin von seinem Team einfordert, nur dann erreicht, wenn man bereit ist, auch Höchstleistungen über einen längeren Zeitraum abzuliefern?
Ich hoffe, dass meine Kinder irgendwann in die Gelegenheit kommen, in einem High-Performance-Team zu arbeiten. An so etwas teilhaben zu können, muss meines Erachtens unfassbar sein. Ich habe das zum Glück schon mehrfach erleben dürfen und bereue keine Sekunde. Leider wird in der Diskussion das Verhältnis von Arbeitszeit und Lebensqualität oft miteinander in Zusammenhang gebracht, ich glaube aber, dass man auch mit einer höheren Arbeitszeit eine hohe Lebensqualität haben kann. Insbesondere die positiven Effekte, die erlebter Erfolg auf das eigene mentale Wohlbefinden hat.
Grundsätzlich wünsche ich mir, dass wir Leistung und Erfolg wieder deutlich positiver besprechen, und nicht gleich reflexartig die möglichen Probleme runterzählen…
Performance matters.
Und: Let. It. Rain.
– Dirk