Auf einen Kaffee mit Dirk: Ich bin genervt!
Einige haben es gelesen: Seit Anfang April bin ich der alleinige Geschäftsführer der Rainmaker Society. Zum Glück konnte ich mit meinem Mitgründer schnell einigen – aber de facto trage ich seit diesem Monat auch die alleinige Verantwortung für die Mitarbeiter und das Unternehmen.
Einige Aufgaben sind dazu gekommen, aber ich bin voller Zuversicht, dass wir, also das Team und ich, das Schiff gut durch die Unsicherheiten des Marktes navigieren. Wir haben auch schnell einige Kosten reduziert, z.B. die Kündigung von Software-Lizenzen, aber auch die Reduzierung unserer Software-Entwicklung für die Plattform.
Aber ich möchte auch mal einen kleinen Einblick geben, was mich aktuell wirklich stört…
Kürzlich habe ich mit einem guten Freund über die deutsche Politik gesprochen. Hier ist mir einiges hängengeblieben…
Das wir meiner Einschätzung/Meinung nach in der Politik nicht die beste Elf auf den Rasen schicken, dürfte bekannt sein.
Aber leider ist es so, dass das Arbeiten in der Politik und der Verwaltung deutlich attraktiver ist, als es gemeinhin gesehen wird. Denn wenn mein Business nicht läuft, bin ich insolvent. Wenn es im öffentlichen Dienst nicht gut läuft, bedeutet das nicht zwingend einen Karriere-Einschnitt. Folgend ein konkretes Beispiel:
Neulich habe ich z.B. gelernt, dass die Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin Manja Schreiner ist – ehemalige Leiterin verschiedener Rechtsabteilungen, dann ein “Gig” als Berliner Senatorin, der aber aufgrund der Aberkennung der Promotion recht kurz ausfiel. Auf über ⅔ der Seiten der Promotion finden sich Plagiate. Belohnt wird das dann mit einem Job, der mit einem fürstlichen Salär ausgestattet ist; der Vorgänger Jan Eder hat wohl ca. 350.000 Euro p.a. verdient. Wohlgemerkt finanziert aus Zwangsgeldern, die ich als Unternehmer bezahlen muss (wobei mir komplett unklar ist, welche positiven Impact die IHK eigentlich hat). Bei solchen Besetzungen frage ich mich: Was muss man eigentlich mitbringen, um solch einen Spitzenjob zu erlangen…?! Ist es wirklich nur die passende “Klüngel-Fähigkeit”?
Gleichzeitig erinnere ich mich an meinen Freund, der mir dann irgendwann im Gespräch sagte: Wenn mich die deutsche Politik, aber die gesellschaftliche Mentalität so sehr stören würde, könnte ich ja ins Ausland gehen. Kann ich halt nicht, da ich mit meinen Kindern hier gebunden bin – ansonsten hält mich mittlerweile in Deutschland und Europa sehr wenig. Dazu sei erwähnt, dass er Angestellter der Deutschen Bahn ist…
Wenn ich über Unternehmertum lese und spreche, habe ich mittlerweile den Eindruck, dass es wahnsinnig unschlau ist, ein eigenes Unternehmen zu haben. Denn unabhängig von der Politik ist auch das Image des Unternehmers einfach schlecht. Diverse Berufsbilder sind beliebter, wie Ärzte, Lehrer oder Justizvollzugsbeamte.
In den aktuellen Koalitionsverhandlungen geht es um eine Anhebung des Spitzensteuersatzes – nur zur Einordnung: Dieser lag 1965 beim 15-fachen des durchschnittlichen Bruttogehalts aller Arbeitnehmer, mittlerweile beim Faktor 1,5. Daneben sollen Kapitaleinkünfte nicht mehr mit der pauschalen Abgeltungsteuer, sondern mit dem individuellen Einkommensteuersatz belegt werden (wobei das angelegte Geld ja übrigens bereits versteuertes Geld ist).
Heute habe ich dann gelesen, dass sich die Tarifparteien im Öffentlichen Dienst geeinigt haben: Es gibt +5,8% mehr Lohn und auch mehr Urlaub in den nächsten Jahren. Ach, und die EU-Beschäftigten in Brüssel haben sich gerade die 7. (!!!) Gehaltserhöhung in den letzten 3 Jahren gegönnt. Während der öffentliche Dienst Personal aufbaut und Gehalt “angepasst” wird, darf ich tagtäglich darüber lesen, dass mehr umverteilt werden muss, und das Unternehmer viel zu viel hätten. In den Medien und der Politik gibt es nur noch den gleichen Sound zu Leistung…
Grundsätzlich wird weder Risiko noch Unternehmertum in Deutschland von der Politik und der Gesellschaft honoriert. Mein (weiterhin sehr guter) Freund steht beispielhaft ein für die Stimmung, die ich tagtäglich erleben darf.
Jetzt könnte man denken, dass wir in Deutschland in der aktuellen Lage mehr Risiko, mehr Unternehmertum, mehr Performer brauchen. Aber dann erinnere ich mich wieder an eine Rede von Christian Lindner, in der er schon 2015 sagte: „Weil man nämlich, wenn man Erfolg hat, ins Visier der sozialdemokratischen Umverteiler gerät, und wenn man scheitert, ist man sich Spott und Häme sicher.“ – der Inhalt der Rede ist ein brandaktuelles Thema.
Daher werde ich weiter vorangehen – auch wenn ich mich über die negativen Begleitumstände ärgere, versuche ich abzuliefern und auch meinen Kindern das nötige Rüstzeug an die Hand zu geben, um zu performen. Denn irgendwer muss ja die Messe bezahlen.
Verzeiht meine Gedanken zum Wochenstart – bleibt uns auch in schwierigen Zeiten gewogen! Wir werden weitermachen!
Performance matters.
Und: Let. It. Rain.