Auf einen Kaffee mit Dirk: Homeoffice und Kinderzeugs…
Kürzlich habe ich einen Post bei Linkedin gesehen – 4.000 Likes für “Warum ich Home Office für die nächsten paar Jahre jeder Office-Pflicht vorziehe…” – im Prinzip rechtfertigt sich der Autor ausladend dafür, dass er kein Profi im Zeitmanagement ist. Die Antwort wäre so einfach: Früher aufstehen, dann klappt es auch mit der rechtzeitigen Kinderabgabe in Kita oder Schule. So dachte ich… – als ich den Folge-Post dann etwas kritisch kommentiert habe, wurde in Frage gestellt, wie meine (kommunizierte) Familiensituation sei und dann noch, ob ich Tipps geben könne, wie man es denn mit Kindern machen solle?!
Weiterhin: Kürzlich wurde ich auch dafür kritisiert, dass ich zu eigentlich jedem Thema eine Meinung hätte – ich mache es kurz: Das stimmt.
Daher kurz meine Meinung zu: Home Office versus Remote
Zum einen: Wir haben alle Corona erlebt und ich bin zu 100% überzeugt, dass reine Remote-Lösungen nicht funktionieren. Ja, es gibt Menschen, bei denen es gut klappt, insbesondere die “Top-Performer”. Aber es gibt Menschen, die schlicht im Home Office nicht arbeiten. (Kleine “Anekdote”: Ich habe dazu kürzlich ein Video gesehen, bei dem der CEO von Clearlink erzählt, dass im letzten Monat 30 seiner Angestellten nicht mal den Laptop aufgemacht haben. Let’s face reality: Ja, so was gibt es…)
Zum anderen: Im Job geht es auch um Interaktion, miteinander sprechen, miteinander lachen, Meinungsverschiedenheiten an der Kaffeemaschine klären. Zumindest in meiner Interpretation von einem coolen Arbeitsplatz. …und das geht nicht über Videokonferenzen.
Conclusio: Wir haben bei der Rainmaker Society eine 3+2-Lösung, also ein Kompromiss der Welten. Wobei ich eigentlich 5 Tage die Woche im Office bin…
Und wie passt das zu: Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
Ich bin 100% alleinerziehender Vater. Daher weiß ich um die Herausforderungen, die die parallele Familien- und Job-Organisation mit sich bringt.
Würde ich deswegen eine andere Meinung zum Thema Home Office entwickeln? Weil es mit meinem Sohn dann leichter zu organisieren wäre?!
Ehrlich: No way. Ich bin so erzogen worden, dass man nur dann zum Ziel kommt, wenn man sich auf der Strecke auch anstrengt. Und genau das lebe ich auch meinem Sohn vor. Ein positiver Teil meines Jobs ist es, dass ich in meinem Job viel telefonisch erledigen kann – daher kann ich die Fahrzeiten gut nutzen. Und ich kann auch abends auf der Couch Sachen erledigen.
Jetzt wurde ich gebeten, Tipps zu geben. Eigentlich würde ich dazu sagen: “Nein, dazu kann ich keinen Tipp geben. Denn jede Situation ist anders.” – aber grundsätzlich bin ich fest davon überzeugt, dass man die am besten passende Arbeitssituation auch “kreieren” kann: Sei es als Angestellter, sei es als Unternehmer oder als Freiberufler. Einer der Gründe, warum ich zum Beispiel gegründet habe: Bei einem vorherigen Arbeitgeber gab es zwar verschiedene Diversity-Initiativen. Aber meine Familiensituation wurde sowohl vom Partner des führenden VCs extrem kritisch beäugt (Frage auf Board-Meeting: “Wie willst Du denn Deinen Job mit der Situation stemmen?”) – und auch den beiden Gründern war es bei mehreren Situationen scheinbar nicht möglich, meine Familiensituation zu akzeptieren (z.B. ein regelmäßiges internes Meeting um einen Tag zu verschieben, weil ich an dem Meeting-Tag meinen Sohn nicht wegorganisieren konnte…). Das wollte ich mir nicht mehr geben. Und das ist ein Aspekt, warum ich gegründet habe.
Jetzt habe ich den Newsletter gerade meiner Freundin vorgelesen. Sie fragt mich: “Aber es fehlt doch was, z.B. wie Du runterkommst? Und verbringst Du eigentlich auch Zeit mit Deinem Kind?” – Ich muss ehrlicherweise von nichts “runterkommen”, und ich arbeite eigentlich überall, denn mir macht Arbeit einfach Spaß. Und das war auch in meinen Jahren als Angestellter so. Dieses “Work-Life-Balance”-Thema sehe ich interessanterweise fast ausschließlich bei Menschen, die mit ihrem Job nicht wirklich glücklich/zufrieden sind.
Zeit mit meinem Sohn verbringe ich viel, aber in klar definierten Zeitfenstern (z.B. von 17-20 Uhr), oder wir gehen zusammen joggen, oder ich nehme ihn halt zu beruflichen Veranstaltungen mit (er möchte das übrigens und fragt es aktiv ab).
Was aber enorm wichtig ist für mich, um die vielen Themen zu managen: Wir sind keine Opfer unserer Situation. Wir lachen jeder Herausforderung ins Gesicht – und freuen uns auf die nächste… Und ich lebe meinem Sohn jeden Tag vor: Wir sind für unser Leben verantwortlich, wir sind für unsere Schulnoten verantwortlich, wir sind für unsere Zukunft verantwortlich. Denn vieles kann man selbst beeinflussen.
Und manchmal hilft auch der richtige Ratgeber oder auch “Spielerberater”. Zwar werde ich keine Tipps bei dem Thema “Familienorganisation” geben – aber bei Karriere-Sparring sind wir die richtigen Ansprechpartner! Wenn das Thema ist: Gerne melden
In diesem Sinne: LET. IT. RAIN.
– Dirk